Seit dem Launch im September 2025 gilt Apertus als Meilenstein der Schweizer KI: das erste grosse, vollständig offene und mehrsprachige Sprachmodell der Schweiz, entwickelt von EPFL, ETH Zürich und dem Swiss National Supercomputing Centre (CSCS). Mit 8B- und 70B-Parameter-Versionen, trainiert auf 15 Billionen Tokens in über 1.000 Sprachen (davon 40 % nicht-englisch, inklusive Schweizerdeutsch und Rätoromanisch), steht es für Transparenz, Datenschutz und europäische Werte.

Doch sechs Monate später ist die Realität ernüchternd: Nur rund 2,2 Millionen Downloads, kaum produktive Einsätze in Unternehmen und Kritik an mangelnder Praxistauglichkeit (NZZ, März 2026). Firmen wie Swisscom oder Infomaniak setzen vorerst weiter auf ausländische Modelle – Apertus gilt vielen noch als „starker Motor, aber noch kein fertiges Auto“.

Genau hier setzt 2026 der Turbo an. An der Applied Machine Learning Days (AMLD) in Lausanne wurde im Februar 2026 die Apertus 1.5 angekündigt – und die kommt schon im Frühling.

Was bringt Version 1.5 konkret?

  • Multimodalität: Neben Text verarbeitet das Modell jetzt auch Bilder und Ton – ein riesiger Sprung für Chatbots, Übersetzungstools oder Bildanalyse-Anwendungen.
  • Erweitertes Reasoning: Statt direkter Antworten denkt Apertus 1.5 schrittweise (step-by-step) – präziser, nachvollziehbarer und besser für komplexe Aufgaben.
  • Nutzerfreundlichkeit & Ökosystem: Die Entwickler sprechen explizit von „user-centric functions“ und wollen ein ganzes Ökosystem rund um Apertus aufbauen. Kleinere Firmen und KMU sollen das Modell leichter fine-tunen und lokal einsetzen können – ohne Abhängigkeit von US-Clouds.

„Wir wollen ein ganzes Ökosystem rund um Apertus schaffen: Das wird eine wirklich tiefgreifende Wirkung haben“, sagt Alexander Ilic, Leiter des Artificial Intelligence Center an der ETH Zürich (swissinfo.ch, Januar 2026).

Spezialisierungen: Medizin als erster grosser Anwendungsfall

Parallel zur Basis-Verbesserung pusht die Swiss AI Initiative domänenspezifische Modelle auf Apertus-Basis. Highlight: Meditron. Dieses medizinische LLM startet im Mai 2026 einen echten Pilot am Universitätsspital Lausanne (CHUV) – direkt in der Notaufnahme. Über 300 Ärzt:innen haben es 2025 bereits in Tests evaluiert. Der Vorteil: Vollständig open-source, lokal lauffähig und datenschutzkonform – ideal für sensible Patientendaten.

„Offene Modelle ermöglichen es uns, viel mehr Kontextinformationen bereitzustellen und die Qualität der Antworten zu verbessern, ohne die Privatsphäre zu verletzen“, erklärt Mary-Anne Hartley, EPFL-Dozentin und Meditron-Koordinatorin.

Warum das 2026 entscheidend ist

Apertus steht für Schweizer Souveränität: vollständig dokumentiert, Apache-2.0-Lizenz, nur öffentliche Daten, EU-AI-Act-konform. Während OpenAI & Co. Milliarden investieren, zeigt die Schweiz mit vergleichsweise wenig Geld (20 Mio. CHF bis 2028), dass Transparenz und Vertrauen auch starke KI ermöglichen können.

Die Upgrades kommen genau zur richtigen Zeit: 2027 richtet die Schweiz voraussichtlich den globalen KI-Gipfel aus – da will Apertus nicht nur Gastgeber, sondern auch Vorreiter sein.

Fazit & Ausblick Apertus war 2025 der mutige Start. 2026 wird es endlich praxisnah, multimodal und nutzerfreundlich. Für Entwickler:innen, KMU, Spitäler und Behörden öffnet sich ein Fenster zu einer echten „Swiss-made AI“ – souverän, transparent und ohne Datenabfluss ins Ausland.

Du willst selbst testen? Apertus ist kostenlos auf Hugging Face und via publicai.co verfügbar – Version 1.5 folgt bald.

Bleib dran auf resync.ch – wir berichten weiter, sobald die erste 1.5-Demo live ist!

Quellen & weitere Infos:

  • Offizielle Seite: swiss-ai.org/apertus
  • ETH-Pressemitteilung & AMLD-Ankündigung
  • swissinfo.ch & Blick (Februar 2026)
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